Die Euronext, Inhaberin der Börse Lissabon, hat sich offen für eine Fusion mit ihrem großen Rivalen Deutsche Börse gezeigt, in einem Zug, der einen europäischen Markt von planetarem Ausmaß schaffen könnte. Der CEO der Gruppe, Stéphane Boujnah, erklärte gegenüber der Financial Times, dass eine solche Operation „Sinn ergeben" würde, obwohl es derzeit keine formellen Gespräche zwischen den beiden Gruppen gebe und eine vollständige Fusion wichtige regulatorische Hindernisse überwinden müsste.
Die Euronext verwaltet acht europäische Börsen, darunter Lissabon, Amsterdam, Brüssel, Dublin, Mailand, Oslo, Paris und Athen, und kontrolliert etwa 25 % des Aktienhandels in Europa, mit mehr als 1.800 börsennotierten Unternehmen und einer Börsenkapitalisierung von 16 Milliarden Euro. Die Deutsche Börse ihrerseits betreibt die Frankfurter Börse und Eurex, eine der größten Derivate-Handelsplattformen der Welt.
Die Idee, die beiden Börsengruppen zusammenzuführen, wird seit Jahrzehnten diskutiert. Im Jahr 2006 zog die Deutsche Börse ein Angebot für die Euronext zurück, und ein Fusionsversuch wurde 2012 aus Wettbewerbsgründen von der Europäischen Kommission blockiert. Im Jahr 2023 diskutierten die obersten Verantwortlichen der beiden Unternehmen die Schaffung eines Joint Ventures für europäische Börsennotierungen, in einem Versuch, aggressiver mit den Vereinigten Staaten zu konkurrieren.
Vor etwa einem Jahr sprach sich der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich für die Schaffung einer großen europäischen Börse aus, die mit der Wall Street konkurrieren könne, ein Aufruf, der bei den wichtigsten Marktakteuren Widerhall fand. Boujnah betonte, dass der deutsche Aktienmarkt „flach" sei, während der der Euronext „tief" sei, und vertrat die Ansicht, dass die Annäherung der Aktienmärkte die Schaffung eines einzigen Marktes ermöglichen würde, der die Bedürfnisse der drei größten Volkswirtschaften Europas erfüllen würde: Deutschland, Frankreich und Italien.




