Der Direktor der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Portugals, Pater Luís Miguel Figueiredo Rodrigues, erklärte in einem Interview mit der Agentur ECCLESIA, dass eine der Schlussfolgerungen der im Buch „Digitale Ökologie" veröffentlichten Forschung darauf hinweist, dass der Begriff der Ökologie der digitalen Umgebung nicht fremd sein darf. Der Priester erklärte, dass die Art und Weise, wie wir uns in der digitalen Umgebung und in anderen Umgebungen verhalten, miteinander interagieren und dass die Art und Weise, wie wir das Digitale nutzen, den Rest unseres Lebens beeinflusst.
Der Befragte wies darauf hin, dass die digitale Welt keine statische Umgebung ist, die man einfach abschalten kann, und betonte, dass man heute eher in einem „On/Life"-Modell als in einem „On/Off"-Modell lebt. Die Algorithmen installieren nach und nach Wünsche und Wahrnehmungen, die subtil die Entscheidungen und Weltanschauungen der Menschen beeinflussen. Er vertrat die Ansicht, dass es notwendig ist, Medien- und Digitalkompetenz zu entwickeln, und dass man ohne persönliche Begegnung, ohne Körper nicht existieren kann.
Zur Evangelisierung in der digitalen Welt erklärte Pater Rodrigues, dass es sehr einfach sei, einen Podcast zu erstellen oder eine Botschaft zu verbreiten, aber Evangelisierung bedeute nicht Informieren, sondern günstige Situationen zu schaffen, in denen die Person den Herrn begegnen kann. Er betonte, dass das Digitale weder die Feier noch das Gegenüber-Sein ermöglicht, weshalb man nicht ausschließlich im Digitalen evangelisieren könne.
Das Buch „Digitale Ökologie" wurde von Pater Luís Miguel Figueiredo Rodrigues, Alex Villas Boas, Bischof D. Alexandre Palma und Fabiano Incerti koordiniert und ist das Ergebnis der Forschung, die am Zentrum für Theologie und Religionsforschung (CITER) der Theologischen Fakultät der UCP durchgeführt wurde. Die Open-Access-Publikation ist Teil der Reihe „Für das gemeinsame Haus sorgen" und vereint Beiträge von Forschern aus den Bereichen Theologie, Philosophie, Kommunikation, Bildung und digitaler Kultur.




