Das Teatro Nacional D. Maria II in Lissabon war drei Jahre lang wegen Innensanierungsarbeiten geschlossen. In dieser Zeit entwickelte es ein landesweites Projekt namens „Nationale Odyssee". Diese Reise führte die Institution durch das ganze Land, wobei sie mit Stadttheatern, Gemeinden, Schulen, Ensembles und Gemeinschaften in mehr als 100 Gemeinden sowohl auf dem Festland als auch auf den Inseln zusammenarbeitete. Es wurden mehr als 280 Projekte entwickelt und etwa 200.000 Menschen erreicht.
Rui Catarino, Präsident des Verwaltungsrates des Theaters, erklärte, dass die wichtigste Erkenntnis dieser drei Jahre war, dass ein Nationaltheater viel größer ist als das Gebäude, in dem es untergebracht ist. Jahrzehntelang wurde das D. Maria II mit dem Rossio-Platz in Verbindung gebracht, aber dieser Zeitraum zeigte, dass der Auftrag der Institution nicht auf einen Veranstaltungsraum beschränkt ist, sondern sich an die Menschen und Gemeinschaften richtet, denen sie dient. Die Erfahrung zeigte auch, dass das Arbeiten ohne eigenes Haus logistisch belastend und schwierig ist, und dass sie dadurch besser verstanden haben, wozu ein Haus dient und was ein Nationaltheater darüber hinaus zu leisten verpflichtet ist.
Der Betrieb des Theaters wurde neu durchdacht und wandelte sich von einer auf ein Gebäude zentrierten Organisation zu einer Netzwerkorganisation. Die Projekte sind keine Replikate mehr von etwas, das in Lissabon konzipiert wurde, sondern werden als Antwort auf die Vielfalt des Landes entwickelt, mit gemeinsamer Nutzung von Informationen, Ressourcen und Entscheidungsbefugnissen. Auch die Programmgestaltung hat sich verändert: Man möchte nun auf längere Spielzeiten für Produktionen setzen, insbesondere in der Sala Garrett, anstatt einer übermäßigen Rotation.
Das Theater öffnete am 18. September wieder, aber Rui Catarino versichert, dass es keine Rückkehr zum Ausgangspunkt sein wird. Programme wie ATOS, Boca Aberta, PANOS oder Próxima Cena arbeiten weiterhin mit Gemeinden und Gemeinschaften im gesamten Staatsgebiet. Das Ziel ist, von einer außerordentlichen Größenordnung zu tieferen und nachhaltigeren Beziehungen überzugehen, die dazu beitragen, lokale Kapazitäten zu schaffen, die fortbestehen, ohne dauerhaft auf die Präsenz des D. Maria II angewiesen zu sein




