Die Geschichte des Kosovo darf wegen des Prozesses gegen Hashim Thaçi nicht umgeschrieben werden, vertrat die kosovarische Politikwissenschaftlerin Donika Emini. Thaçi, ehemaliger Unabhängigkeitsführer und Präsident des Kosovo, steht derzeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof, was eine Debatte darüber ausgelöst hat, wie die Geschichte des Landes interpretiert werden soll.
Emini zufolge sind die Anerkennung von Verbrechen und die Bewahrung der Erinnerung an den Befreiungskampf des Kosovo keine unvereinbaren Positionen. Die Expertin argumentiert, dass es möglich ist, den begangenen Verbrechen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ohne den historischen Kontext des Konflikts zu löschen, der zur Unabhängigkeit des Territoriums führte.
Die Politikwissenschaftlerin vertritt ferner die Ansicht, dass das Zusammenleben zwischen Albanern und Serben im Kosovo möglich ist, trotz der seit dem Konflikt der 1990er Jahre fortbestehenden ethnischen Spannungen. Diese Position ergibt sich in einem Moment, in dem der Gerichtsprozess gegen Thaçi heikle Fragen zum Gleichgewicht zwischen Gerechtigkeit und nationaler historischer Erzählung aufwirft.




