Eine Studie der Fundação Francisco Manuel dos Santos, koordiniert von den Forschern António Costa Pinto und Marcelo Camerlo, analysierte das Profil aller portugiesischen Minister zwischen 1976 und 2025 und verglich Portugal mit Spanien, Italien und Griechenland. Die Hauptkonklusion ist, dass die portugiesischen Regierungsmitglieder höhere Spezialisierungsgrade aufweisen als ihre südeuropäischen counterparts. Die Studie „Wer regiert Portugal? Ministerielle Profile in vergleichender Perspektive" zeigt, dass Portugal ein Rekrutierungsmodell entwickelt hat, das politische Erfahrung und technische Kompetenz kombiniert, wobei das hybride Profil des „politiker-spezialisten" mehr als 38% der Minister repräsentiert und das Land sich dadurch auszeichnet, dass es den höchsten Prozentsatz an Experten unter den vier analysierten Ländern hat, mit 31%.
Die Parteien sind nach wie vor entscheidend bei der ministeriellen Rekrutierung, wählen jedoch zunehmend qualifizierte und technische Profile. Etwa 70% der eingetragenen Minister bekleideten Führungspositionen in den jeweiligen Parteien, und obwohl 36% formell unabhängig sind, werden 40% davon als „semi-unabhängig" klassifiziert und pflegen informelle Verbindungen zu Parteien. Die Autoren beschreiben dieses Modell als „endogenen Technokratismus", bei dem die Parteien die Kontrolle über die Rekrutierung behalten und gleichzeitig politisch nahestehende Experten integrieren. António Costa Pinto betonte, dass der Beitritt zur Europäischen Union 1986 einer der Motoren war, der von den Regierenden eine größere Spezialisierung erforderte.
Die Studie identifiziert auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Zugang zur Regierung. Unter den Ministerinnen repräsentieren die Profile des politikers-spezialisten und des Experten 78% der Fälle, während sie bei den Männern 62% repräsentieren, was darauf hindeutet, dass technische Spezialisierung als zusätzliche Voraussetzung für den Zugang von Frauen zur Regierung fungiert. Experten und politikers-spezialisten bleiben durchschnittlich länger im Amt und haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, ihre Amtszeiten zu vervollständigen, während Minister mit ausschließlich politischen Profilen eine höhere Fluktuation aufweisen. Portugal nimmt eine Zwischenposition unter den verglichenen Ländern ein: Es hat mehr technische Profile als Spanien, ist weniger politisiert als Griechenland und weist ein stabileres Modell als Italien auf.
Die Studie zeigte auch Unterschiede zwischen PS und PSD bei der Auswahl von Regierungsmitgliedern. Die Sozialisten tendierten dazu, mehr Experten in ihre Exekutiven einzubeziehen, während der PSD eine größere Tendenz zu „erfahrenen politischen Kadern" zeigte. Die ministerielle Karriere in Portugal ist relativ kurz, wobei ein portugiesischer Minister durchschnittlich etwa 600 Tage im Amt bleibt, unter dem Durchschnitt einiger europäischer Länder. In sensibleren Ressorts wie Auswärtige Angelegenheiten behalten die Parteien die Kontrolle durch politische Ernennungen, während Ressorts wie Energie, Umwelt oder Verkehr tendenziell mehr Experten haben.




