In seinem Meinungsartikel befasst sich Luís Ganhão mit dem Problem der Langsamkeit der Justiz in Portugal und argumentiert, dass diese nicht nur am Endergebnis gemessen werden kann, sondern auch an der Zeit, die erforderlich ist, um es zu erzielen. Eine Entscheidung, die zu spät kommt, kann erlittene Schäden derjenigen, die sich an die Gerichte gewandt haben, möglicherweise nicht mehr wiedergutmachen. Der Autor erkennt an, dass der Justizapparat nicht alle menschlichen, materiellen und organisatorischen Mittel erhalten hat, die er benötigt.
Ganhão stellt zwei Realitäten vor, die zum Problem beitragen. Erstens wurden mit dem Aufkommen der Demokratie neue Rechte anerkannt und geschützt – die von Frauen, Kindern, Verbrauchern und Tieren –, was mehr Möglichkeiten der Verletzung dieser Rechte und folglich mehr Konflikte schuf, die vor den Gerichten landen. Zweitens wird die Gesellschaft konfliktfreudiger, wobei das Vertrauen zwischen den Menschen abnimmt und die Notwendigkeit besteht, auf formale Mechanismen zurückzugreifen, um Rechte und Pflichten durchzusetzen.
Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Langsamkeit der Justiz nicht durch eine einzige Ursache erklärt werden kann. Obwohl es gerechtfertigt ist, mehr Mittel und eine höhere Effizienz vom Justizsystem zu fordern, ist es auch notwendig anzuerkennen, dass eine komplexere Gesellschaft, die häufiger auf die Gerichte zurückgreift, einen wachsenden Druck auf die Justiz ausübt. Investitionen in den Justizapparat sind unerlässlich, reichen aber für sich allein nicht aus.
Ganhão kommt zu dem Schluss, dass eine zügige Justiz nicht nur von der Geschwindigkeit abhängt, mit der die Gerichte entscheiden, sondern auch von der Anzahl der Konflikte, die ihnen zur Entscheidung vorgelegt werden. Die Fähigkeit der Gesellschaft, Konflikte zu verhindern, Verpflichtungen einzuhalten und Streitigkeiten beizulegen, ohne die Gerichte anzurufen, ist ebenso wesentlich. Eine Fußnote weist darauf hin, dass der Hohe Rat der Verwaltungs- und Steuergerichte erwartet, dass die Änderungen der Ausländer- und Asylgesetze zu einem exponentiellen Anstieg der Verfahren in den Verwaltungsgerichten führen werden.




