Die Internationale Theologische Kommission (ITK), ein Gremium des Dikasteriums für die Glaubenslehre des Heiligen Stuhls, hat ein neues Dokument veröffentlicht, in dem sie vorschlägt, dass Umweltzerstörung formal als „Sünde" gegen Gott und die Natur definiert wird. Der Text mit dem Titel „Für unser gemeinsames Haus sorgen: Verantwortungsvolle und geschwisterliche Antwort an den dreifaltigen Gott" erhielt die Genehmigung von Papst Leo XIV. und wurde im letzten Quintennium erarbeitet, wobei seine Veröffentlichung am 21. August autorisiert wurde.
Die Theologen schlagen vor, dass die ökologische Sünde als Handlung oder Unterlassung gegen Gott, gegen den Nächsten, die Gemeinschaft und die Umwelt verstanden wird, und betonen, dass es sich um eine Sünde gegen zukünftige Generationen handelt, die sich in Handlungen der Verschmutzung, der Zerstörung der Umweltharmonie und des Bruchs der Solidaritätsnetze unter den Geschöpfen manifestiert. Die Formulierung zielt darauf ab, gleichzeitig den der Natur zugefügten Schaden und die Missachtung des Schöpfungsplans des Schöpfers zu erfassen, der den Menschen die Verwaltung und Fürsorge für das gemeinsame Haus anvertraut hat.
Das Dokument kritisiert das aktuelle Wirtschaftsmodell und schlägt ein alternatives, dem Leben aller dienendes System vor, das vom Kriterium der Nachhaltigkeit geleitet wird und die Biorhythmen des gemeinsamen Hauses respektiert. Die ITK verurteilt den „räuberischen Anthropozentrismus", der der Menschheit das Recht gibt, natürliche Ressourcen ohne Grenzen zu nutzen und auszubeuten, distanziert sich aber auch von extremen Umweltphilosophien wie Biozentrismus oder radikalem Ökozentrismus und warnt davor, dass diese Perspektiven den Wertunterschied zwischen der menschlichen Person und allen anderen lebenden Wesen aufheben.
Das Gremium schlägt als Alternative den „situierten Anthropozentrismus" vor, ein von Leo XIV. in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas" unterstütztes Konzept, das den Menschen als Verwalter und Diener der Schöpfung neu positioniert. Die Reflexion unterstreicht die Verbindung zwischen dem „Schrei der Erde" und dem „Schrei der Armen" und fordert eine ganzheitliche „ökologische Umkehr". Die Position der Katholischen Kirche zur ökologischen Krise erlangte 2015 mit der Veröffentlichung der Enzyklika „Laudato Si'" von Franziskus besondere Aufmerksamkeit.




