In Portugal erzielen Arbeitnehmer, die den Arbeitgeber wechseln, im Allgemeinen höhere Gehaltserhöhungen als diejenigen, die beim selben Arbeitgeber bleiben. Dieser Unterschied wurde zwischen 2022 und 2024 besonders deutlich, als Arbeitnehmer, die den Arbeitsplatz wechselten, Gehaltserhöhungen von etwa 10% bis 11% pro Jahr verzeichneten, während Arbeitnehmer, die beim selben Arbeitgeber blieben, Erhöhungen zwischen 6% und 8% verzeichneten. Die Autoren André Pinção Lucas und Juliano Ventura erklären in einem Artikel in Zusammenarbeit mit dem Instituto +Liberdade, dass dieser Unterschied nicht bedeutet, dass ein Arbeitsplatzwechsel per se eine Gehaltserhöhung bewirkt, da Arbeitnehmer, die den Arbeitsplatz wechseln, möglicherweise andere Eigenschaften haben als diejenigen, die bleiben.
Die Daten deuten darauf hin, dass Arbeitsmobilität als ein wichtiger Mechanismus der Gehaltsentwicklung fungieren kann. In einem dynamischen Arbeitsmarkt haben Arbeitnehmer bessere Möglichkeiten, Unternehmen zu finden, die ihre Fähigkeiten besser wertschätzen. Gleichzeitig erhöht eine größere Wechselbereitschaft den Wettbewerb der Arbeitgeber um Talente, was Unternehmen dazu veranlasst, wettbewerbsfähigere Vergütungen und Bedingungen anzubieten, um Arbeitnehmer zu gewinnen oder zu halten.
Die große Ausnahme von diesem Trend ereignete sich zwischen 2011 und 2013, während der Staatsschuldenkrise und des Troika-Eingriffs. In diesem Zeitraum hatten Arbeitnehmer, die den Arbeitsplatz wechselten, eine schlechtere Gehaltsentwicklung als diejenigen, die blieben, aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit, der wenigen verfügbaren Möglichkeiten und des erheblich geringeren Verhandlungsspielraums der Arbeitnehmer in einer Wirtschaft in starkem Abschwung.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass, obwohl berufliche Stabilität wertvoll ist, diese auch einen Opportunitätskostenfaktor haben kann. Wenn Alternativen und ein wettbewerbsintensiver Arbeitsmarkt bestehen, kann ein Arbeitsplatzwechsel eine der effektivsten Möglichkeiten sein, bessere Gehaltsbedingungen zu erzielen.




