Alice Weidel, Ko-Vorsitzende und Kanzlerkandidatin der AfD (Alternativa para a Alemanha), einer ultrakonservativen, nationalistischen und migrationskritischen Partei, weist Widersprüche zwischen ihrem Privatleben und den politischen Positionen ihrer Partei auf. Weidel ist Lesbe und lebt mit Sarah Bossard, einer in Sri Lanka geborenen und in der Schweiz aufgewachsenen Frau, während die AfD das Konzept der traditionellen Familie fördert und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ablehnt. Das Paar hat zwei Adoptivkinder großgezogen, was dem Parteiprogramm widerspricht.
Die geografische Frage fügt eine weitere Ebene der Widersprüchlichkeit hinzu. Obwohl sie sich als Gesicht eines entschiedenen deutschen Nationalismus präsentiert, lebt Weidel mit ihrer Familie in der Schweiz, in Einsiedeln, und unterhält nur einen gemeldeten Wohnsitz in Deutschland. Diese Situation wirft Fragen über die Flexibilität des Heimatkonzepts innerhalb der eigenen Partei auf.
Der Artikel stellt klar, dass diese Widersprüche nicht automatisch als Beweis für Heuchelei gelten, da eine Person politisch Einschränkungen befürworten kann, die sie nicht auf ihr eigenes Leben anwendet. Dennoch stellt sich die Frage, warum eine Ideologie, die über die persönliche Erfahrung anderer legislieren will, nicht für ihre eigene Führerin gelten soll.
Der Text kommt zu dem Schluss, dass das Problem nicht in Weidels Privatleben an sich liegt, sondern in der Inkongruenz zwischen einer politischen Maschinerie, die Familie, Nationalität und Herkunft zu Kriterien des kulturellen Kampfes macht, und einer Führerin, die ruhig diese gleichen Kategorien durchquert, die die Partei einzuschränken beabsichtigt.




