Die Erdgaspreise in Europa steigen und überschreiten die 73 Dollar pro Megawattstunde, Niveaus, die seit 2023 nicht erreicht wurden. Der niederländische TTF-Kontrakt, der als europäische Referenz dient, ist in den letzten sechs Monaten um fast 50% und in den letzten 12 Monaten um 120% gestiegen. Analysten und Forscher führen diesen Anstieg auf niedrigere als erwartete Speicherstände in Europa, den Krieg im Nahen Osten und Einschränkungen bei den Exporten von verflüssigtem Erdgas (LNG) durch die Straße von Hormus zurück, durch die fast 20% des weltweiten LNG-Angebots flossen.
Die europäischen Reserven befanden sich am 6. September bei 66,59% der Gesamtkapazität, während sie am selben Tag des Vorjahres bei 78,95% lagen. Das Ziel der Europäischen Union, die Reserven bis zum 1. November zu 80% zu füllen, ist erreichbar, erfordert jedoch konstante Injektionen in den kommenden Wochen. Die Speicherung dürfte das Ziel von 90% und möglicherweise sogar unter 80% zwischen Oktober und November verfehlen, so die Aurora Energy Research. Trotz dieser Verzögerung versichern Experten, dass Europa nicht Gefahr läuft, einen Bestandsausfall oder Engpässe zu erleiden, obwohl das Risiko hoher Preise während Kältewellen oder bei Lieferausfällen besteht.
Die Prognosen weichen erheblich voneinander ab: Morgan Stanley erwartet einen Durchschnitt von 88 Euro pro MWh im vierten Quartal, Goldman Sachs etwa 53 Euro und Aurora Energy Research zeigt 65 Euro auf. Die aktuellen Preise über 70 Euro sind bereits belastend für die Industrie und verschärfen die Strompreise und Inflation, obwohl sie weit unter den Niveaus von 2022 liegen, als der TTF die 300 Euro pro MWh überschritt. Die Schwelle von 100 Euro pro Megawattstunde wird als das Niveau genannt, ab dem wirtschaftliche Schäden erheblicher werden können.
Der Wettbewerb mit Asien um LNG-Ladungen verschärft sich, wobei einige Schiffe, die ursprünglich für Europa bestimmt waren, auf den asiatischen Markt umgeleitet werden. Diese Situation ist gravierender für Regionen wie Südasien, die nicht über die gleiche finanzielle Leistungsfähigkeit zur Konkurrenz verfügen. Im Gegensatz dazu bleibt der Henry Hub in den Vereinigten Staaten auf Vorkriegsniveaus aufgrund der hohen nordamerikanischen Produktion. In Deutschland liegen die nationalen Reserven nur bei 50,1% gegenüber 67% im Vorjahr, was das Land anfälliger macht.




