Luís Montenegro kündigte die Schaffung eines Staatsfonds an, damit der portugiesische Staat relevante Aktienbeteiligungen an strategischen Unternehmen in den Sektoren Energie, Bankwesen, Telekommunikation und Flughafeninfrastrukturen erwirbt. Nach Angaben des Ministerpräsidenten handelt es sich nicht um Mehrheitsbeteiligungen, sondern um ausreichende Anteile, um dem Staat Einfluss und Interventionsfähigkeit in diesen Unternehmen zu ermöglichen. Die Mittel des Fonds kämen aus dem Staatshaushalt und würden bereits vom Staat gehaltene Beteiligungen sowie andere, die als strategisch erachtet werden, bündeln.
Der Autor des Artikels, Alfredo Marques, hinterfragt die Initiative, da er der Ansicht ist, dass der Verweis auf finanzielle Renditen als Auswahlkriterium auf einen mit der Verteidigung strategischer Sektoren vermischten Geschäftszweck hindeutet. Er betont, dass man mit strategischen Sektoren nicht spielt, und dass die Ankündigung im Lichte der EU-Gesetzgebung und der Praktiken der einflussreichsten Länder interpretiert werden muss.
Die EU hat im Juni 2026 eine Verordnung erlassen, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, nationale Mechanismen zur Kontrolle ausländischer Direktinvestitionen aus Gründen der Sicherheit und öffentlichen Ordnung vorzusehen. Diese Verordnung ersetzt eine andere aus dem Jahr 2019 und definiert eine Mindestliste strategischer Sektoren, wobei die Länder die Kontrolle auf andere relevante Sektoren ausweiten können. Das Instrument des Handelns ist nicht finanzieller Natur, sondern der Einsatz politischer Macht, der es den Regierungen ermöglicht, Übernahmen strategischer Unternehmen zu blockieren oder zu beschränken. Länder wie Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien verfügen bereits über ähnliche Regelungen, bekannt als „Golden Power".
Portugal erließ 2014 ein Dekret in diesem Sinne, das jedoch keine Verpflichtung zur vorherigen Meldung vorsieht und nie praktische Wirkung entfaltet hat. Dieses Gesetz wurde nach den während des Troika-Programms durchgeführten Privatisierungen geschaffen, zu denen EDP, REN, ANA Aeroportos, CTT, BPN und TAP gehörten. Der Autor stellt in Frage, ob die Schaffung eines Staatsfonds der richtige Ansatz ist, und vertritt die Ansicht, dass es am sinnvollsten wäre, die Bestimmungen der europäischen Verordnung rasch in portugiesisches Recht umzusetzen, deren Umsetzung bis Januar 2028 obligatorisch ist.




