Die portugiesische Textil- und Bekleidungsindustrie repräsentiert 1,7% des nationalen BIP und 7,8% der Exporte, mit 11.965 Unternehmen im Jahr 2024, von denen 99,7% kleine und mittlere Unternehmen sind. Der Sektor beschäftigt mehr als 118.000 Menschen und erwirtschaftet einen Umsatz von über 8,2 Milliarden Euro, was 17,3% der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe und 9,9% der Bruttowertschöpfung entspricht, die 2,7 Milliarden Euro beträgt. Diese Daten stammen aus der Studie "Nachhaltigkeit in der Mode: Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Portugal" der Fundação Francisco Manuel dos Santos.
Die Studie identifiziert vier Wettbewerbsvorteile des portugiesischen Sektors: qualifizierte Arbeitskräfte, technologische Kapazität, geografische Konzentration im Norden des Landes und starke Investitionen in Nachhaltigkeit. Letztere Dimension gewinnt an Bedeutung durch die neuen europäischen Ökodesign-Regeln, die seit dem 19. Juli große Unternehmen daran hindern, unverkauften Kleidung und Schuhe zu vernichten, was Modelle der Produktion in der Nähe der Märkte begünstigen kann. Zwischen 2010 und 2021 wuchs die Anzahl der im Sektor tätigen Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung involviert waren, um 153%, von 64 auf 162, mit einer Investition von 42,8 Millionen Euro im Jahr 2021 und mehr als neun Millionen Euro in nachhaltigkeitsorientierten Innovationen im Jahr 2020.
Die Treibhausgasemissionen des Sektors sind seit 2005 um 36,4% gesunken, und die Kohlenstoffintensität fiel um fast 30%. Allerdings stammen 97,5% der Emissionen noch aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wobei Textilproduktionsunternehmen für 88,1% verantwortlich sind. Die Nähe zwischen Unternehmen im Norden Portugals erleichtert die Zusammenarbeit und Kommunikation entlang der Produktionskette, obwohl hohe Kosten, Finanzierungsschwierigkeiten, Mangel an spezialisierten Humanressourcen und Infrastrukturbeschränkungen erhebliche Hindernisse für viele KMU darstellen.
Nachhaltigkeit wird für Geschäftsmodelle von Unternehmen wie Play Up zentral, einer portugiesischen Marke für Kinderkleidung in Esposende, die 2023 acht Millionen Euro an Einnahmen erzielte, indem sie vor dem Verbrauch anfallende Textilabfälle zur Herstellung des kreislaufwirtschaftlichen Garns Replay verwendet und über ein Take-Back-Programm mit einer Secondhand-Plattform verfügt. Der Hersteller FORTeams Lab aus Vizela schuf das Projekt LOOP, um ungenutzte Sportartikel zu sammeln und in neue Garne umzuwandeln. Die Autorinnen der Studie betonen, dass das portugiesische Etikett bereits in verschiedenen internationalen Märkten mit Qualität und Nachhaltigkeit assoziiert wird, was eine Chance darstellt, auf dem globalen Markt zu konkurrieren.




