Innenminister Luís Neves steht am Dienstag, den 8. September, vor seiner größten politischen Bewährungsprobe, wenn die Assembleia da República über den Misstrauensantrag der Partei Chega gegen die Regierung debattieren und abstimmen wird. Die Partei von André Ventura begründet den Antrag mit dem angeblichen Verlust der Befähigung des Ministers, sein Ministeramt fortzuführen, und verweist auf Verdachtsmomente bezüglich seiner vergangenen Entscheidungen und der Art und Weise, wie er die Struktur der Polizeikräfte gehandhabt hat. Luís Neves, ehemaliger nationaler Direktor der Polícia Judiciária, den Luís Montenegro mit der Leitung der Sicherheitskräfte betraute, ist in den letzten Wochen zum Hauptziel der oppositionellen Bekämpfung geworden.
Angesichts des wachsenden Drucks übernahm der Minister offen die Verantwortung für seinen Werdegang, räumte ein, hie und da Fehler begangen zu haben, schloss jedoch jedes Szenario eines freiwilligen Rücktritts aus. Luís Neves charakterisierte die Verleumdungskampagne gegen ihn als vorher geplant und erklärte, die einzige Strategie zu wählen, die er kenne: Verdacht zu säen, die Ehre anzugreifen und auf der Grundlage von Lügen einzuschüchtern. Der Minister betonte, dass in einem Rechtsstaat Schuld mit Fakten und unter richterlicher Kontrolle gesammelten Beweisen begründet wird, und nicht durch wiederholte Andeutungen mit Wahlkampfabsichten.
Premierminister Luís Montenegro schloss sich hinter seinem Minister zusammen und bekundete öffentlich sein Vertrauen in das technische und institutionelle Profil des ehemaligen Direktors der Judiciária. Für Montenegro stellt der Misstrauensantrag der Chega ein bloßes Ablenkungsmanöver dar, dem politische Substanz fehlt. Er rief die Parteivertreter zu politischer Reife auf und warnte, dass die Bürger Besonnenheit fordern, anstatt Manöver, die lediglich dazu dienen, die republikanischen Institutionen zu beschädigen.
Die Verfassungsregeln sehen vor, dass ein Misstrauensantrag nur dann den Rücktritt der Regierung bewirkt, wenn er die absolute Mehrheit der Abgeordnetenstimmen erhält. Mit der derzeitigen Parlamentszusammensetzung ist die Initiative zum Scheitern verurteilt, da die Sozialistische Partei nicht als Stütze für Radikalisierungsstrategien der Chega dienen möchte und auch die Liberale Initiative nicht die Absicht bekundet hat, eine erzwungene Unterbrechung der Legislaturperiode zu unterstützen. Dadurch wird die Dienstagssitzung zu einem strikt politischen Schlagabtausch über Argumente und institutionelle Glaubwürdigkeit.




