In der Stadt Rjasan in Russland hatte der staatliche Sender GTRK Oka für Montag, den 31. August, eine Wahlkampfdebatte für Kandidaten des Wahlkreises 158 angesetzt, doch keiner der Teilnehmer erschien im Studio. Die Moderatorin Elizaveta Dorokhina informierte die Zuschauer, dass „die Kandidaten nicht in unser Studio gekommen sind, also verabschiede ich mich jetzt", und die verbleibende Sendezeit wurde ausschließlich mit Wahlwerbung gefüllt, wie die Zeitung The Moscow Times berichtete.
Ein Video der Moderatorin vor sechs völlig leeren Podien ging auf der App Telegram viral und lenkte die Aufmerksamkeit auf diese ungewöhnliche Situation. Der Fall verdeutlicht einen Trend, der auch in anderen Regionen Russlands beobachtet wurde, wo Kandidaten sich gegen eine Teilnahme an Fernsehdebatten entscheiden.
Das Phänomen leerer Studios ist nicht völlig neu. Im August 2023 verzeichnete der Sender GTRK Kusbass in Kemerowo eine Parlamentsdebatte ohne die Anwesenheit der Kandidaten der Kommunistischen Partei und der LDPR – Parteien, die trotzdem im Parlament vertreten waren. Der Fall von Rjasan folgt derselben Linie systematischer Abwesenheiten.
Im breiteren Kontext der russischen Politik hat Präsident Wladimir Putin noch nie an Debatten während seiner Präsidentschaftskampagnen teilgenommen. Im Februar 2024 begründete der Kremlsprecher Dmitri Peskow diese Haltung damit, dass die Wähler bereits täglich Zugang zu den Erklärungen des Präsidenten hätten, wodurch eine Teilnahme an Wahldebatten nicht erforderlich sei.




