Jahrzehntelang galten Fotos, Sprachaufnahmen und Videos vor Gericht als letzter Beweis der Wahrheit. Wenn es ein Bild gab, war etwas geschehen. Wenn es ein Audio gab, hatte jemand das gesagt. Diese Gewissheit, so der Rechtsanwalt Jonatas Lucena, zerbricht, und die brasilianische Justiz beginnt, die Auswirkungen direkt zu spüren.
Die Frage, die jeder Anwalt, Sachverständige oder Richter heute bei einem audiovisuellen Beweis stellen muss, lautet nicht mehr „Was zeigt dieses Video?", sondern: Ist das wirklich passiert? Die KI-Technologie ermöglicht die Erstellung immer realistischerer synthetischer Inhalte und stellt damit die Zuverlässigkeit audiovisueller Beweise infrage.
Die Nationale Datenschutzbehörde (ANPD) hat diese Feststellung nicht nur im Bereich der Intuition belassen. Im Juli 2026 veröffentlichte die Behörde den Radar Tecnológico Nr. 6, ein 163-seitiges technisches Dokument, das sich vollständig den Deepfakes widmet und kartiert, wie von KI generierte synthetische Inhalte unter anderem für betrügerische Finanzgeschäfte eingesetzt werden.




