Im Juli sanken die Pkw-Verkäufe in China um 20,9%, während die chinesischen Ausfuhren um mehr als 80% und die von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden um etwa 150% stiegen. Dieses Phänomen spiegelt eine strukturelle Transformation wider: Nach Jahrzehnten der Abhängigkeit vom Binnenmarkt ist China in eine neue Phase eingetreten, in der es im Ausland einen zunehmenden Teil der Nachfrage sucht, die zur Aufrechterhaltung seiner enormen industriellen Kapazität erforderlich ist. In etwas mehr als zwei Jahrzehnten ist die chinesische Autoproduktion von rund 2 Millionen auf mehr als 30 Millionen Fahrzeuge pro Jahr gestiegen und macht derzeit etwa ein Drittel der weltweiten Produktion aus.
Angesichts dieser Realität verfolgen die großen Wirtschaftsblöcke unterschiedliche Wege. Die Vereinigten Staaten reagierten mit Zöllen von über 100% auf chinesische Elektrofahrzeuge, öffentlichen Anreizen in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar durch den Inflation Reduction Act und den CHIPS Act sowie einer klaren Strategie zur Reindustrialisierung. Indien schützt seine Industrie sorgfältig, während Japan und Südkorea auf Innovation und die Verteidigung ihrer globalen Marken setzen.
Europa steht vor einer der größten Fragen des kommenden Jahrzehnts. Mehr als 13 Millionen Europäer sind direkt oder indirekt von der Automobilindustrie abhängig, die rund 7% des BIP der Europäischen Union ausmacht und der größte private Investor Europas in Forschung und Entwicklung ist. Dennoch bleibt Europa einer der offensten Märkte der Welt, genau in dem Moment, in dem seine Hauptkonkurrenten ihre jeweiligen Industriepolitiken verstärken.
Die Debatte über Zölle ist wichtig, aber sie erschöpft nicht das Problem. Die eigentliche Frage ist, ob Europa in der Lage sein wird, Produktionskapazitäten zu erhalten, kritische Technologien zu entwickeln, Investitionen anzuziehen und eine wettbewerbsfähige Industriebasis aufrechtzuerhalten. Der Wettbewerb findet nicht mehr nur zwischen Verbrennungsmotoren und Elektrofahrzeugen statt, sondern auch bei der künstlichen Intelligenz, der Software, den Halbleitern, den Batterien und beim Zugang zu kritischen Rohstoffen.




