Das Oberste Bundesgericht (STF) erlebt eine beispiellose Krise weniger als 30 Tage vor der ersten Runde der Wahlen. Minister André Mendonça hob die Vertraulichkeit eines Berichts der Bundespolizei auf, der Nachrichten zwischen seinem Kollegen Alexandre de Moraes und dem Bankier Daniel Vorcaro, dem Eigentümer der Master-Bank, enthüllte. Als Reaktion darauf forderte Moraes Ermittlungen gegen Mendonça wegen angeblicher Hinweise auf Verbrechen im Zusammenhang mit Machtmissbrauch und administrativer Unredlichkeit.
Der offene Konflikt umfasste auch die Amtsenthebung des Generaldirektors der Bundespolizei, Andrei Rodrigues, durch Mendonça, die am folgenden Tag von Minister Flávio Dino überprüft wurde. Der Präsident des STF, Edson Fachin, annulierte schließlich sowohl die Entscheidungen von Mendonça als auch von Dino, forderte Erklärungen von den Beteiligten an, enthob Moraes von der Berichterstattung über das Fake-News-Verfahren und berief eine außerordentliche Plenarsitzung für nächsten Dienstag ein.
Die Krise ereignet sich mitten im Wahlzeitraum und stellt die Glaubwürdigkeit des höchsten Gerichts des Landes infrage. Die offene Frage bleibt, welcher Kandidat am meisten von diesem internen Krieg profitiert: ob der ehemalige Präsident Lula, Senator Flavio Bolsonaro oder ein möglicher Kandidat von außerhalb des politischen Establishments.




