Paulo Serra, Doktor der Literatur an der UAlg und Forscher am Zentrum für Kunst- und Kommunikationsforschung, analysiert zwei Romane der amerikanischen Romanautorin, Verlegerin und Reiseschriftstellerin Hanya Yanagihara, die in Portugal vom Editorial Presença mit Übersetzung von Miguel Romeira veröffentlicht wurden. Der erste, „Ein kleines Leben", wurde für den Booker Prize 2015 nominiert und kam Ende 2022 nach Portugal, wo er 2023 zu einem der meistdiskutierten Bücher wurde. Mit 688 dicht gefüllten Seiten wird er als unverzichtbare, aber auch wie ein Schlag in die Magengrube beschrieben, mit Szenen von Selbstverletzung und häuslicher Gewalt ohne jede Beschönigung.
Der Roman begleitet vier Kommilitonen einer kleinen Universität in Massachusetts, die nach New York ziehen: Willem, hübsch und großzügig, der als Schauspieler Karriere machen will; JB, ein bissiger Maler aus Brooklyn; Malcolm, ein frustrierter Architekt; und Jude, brillant und rätselhaft, der zum Gravitationszentrum der Gruppe wird. Im Laufe von Jahrzehnten vertiefen sich ihre Beziehungen und werden von Abhängigkeit, Erfolg und Stolz geprägt. Jude wird zwar ein gefürchteter Anwalt, ist aber ein körperlich und psychisch zerstörter Mann, gezeichnet von einer unvorstellbaren Kindheit und einer traumatischen Vergangenheit. Der Titel bezieht sich auf seine Tendenz, sich an ein kleines, routinemäßiges und sicheres Leben zu klammern und dauerhaft das eigene Glück zu sabotieren.
Der zweite Roman, „Ins Paradies", durchquert drei Jahrhunderte und schreibt die amerikanische Geschichte und Identität in drei unterschiedlichen Versionen neu, mit sich wiederholenden Figurennamen, als wären sie verschiedene Versionen desselben Lebens. Im ersten Teil, 1893, ist David ein junger Erbe in New York in einem alternativen Amerika, in dem freie Staaten existieren, die sich unabhängig erklärt haben, mit legalisierter gleichgeschlechtlicher Ehe. Im zweiten Teil, 1993, lebt ein neuer David, ein junger Hawaiianer, in Manhattan während der AIDS-Krise. Der dritte Teil, 2093, präsentiert eine dystopische Zukunft mit totalitärem Regime, Pandemie, obligatorischen Kühlanzügen und Ausgangssperre.
Der Prosastil der Autorin passt sich den erzählten Epochen an, mit einem klassischeren Stil im ersten Teil und einem schlichteren im zweiten. Die zentralen Themen umfassen Identität, Rasse, Familien- und Finanzstruktur, Tod, Erbschaft, Vermächtnis und Homosexualität, die bereits den vorherigen Roman durchzog. Es ist ein intelligenter Roman, der dieselbe Geschichte mit leicht abweichenden Noten neu erschafft und erforscht, wie Akzeptanz und Toleranz mit dem Fortschreiten der Zeit zu sinken scheinen.




