Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss, die Leitzinsen um 25 Basispunkte anzuheben, in einer Entscheidung, die Christine Lagarde als „einstimmig" und „ohne Wenn und Aber" bezeichnete. Die EZB-Präsidentin sprach von einer „datengestützten" Herangehensweise bei den kommenden Sitzungen und blieb damit ihrer üblichen Linie treu, sich nicht auf zukünftige Entscheidungen festzulegen.
Lagarde fasste die aktuelle Lage im Euroraum als widerstandsfähigeres Wachstum, weniger hohe Inflation als erwartet, aber von längerer Dauer zusammen. Die aktualisierten Makroprognosen deuten auf eine Inflation von 2,1% im kommenden Jahr und 2028 hin, also über dem mittelfristigen Ziel der Zentralbank.
Diese nach oben korrigierten Inflationsprognosen verstärkten die Markterwartung, dass die Zinsen im Euroraum bald wieder angehoben werden. Viele Investoren setzten bereits auf eine weitere Erhöhung in diesem Jahr, und einige rechneten mit einer erneuten Anhebung Anfang 2027. Lagarde wies jedoch zurück, dass diese Prognosen weitere Zinserhöhungen garantieren, und weigerte sich, Details zu den nächsten Schritten preiszugeben.
Die EZB-Präsidentin wurde auch mit den Äußerungen des Chefökonomen Philip Lane konfrontiert, der argumentiert hatte, dass die aktuellen 2,5% der oberen Grenze des neutralen Zinsbereichs entsprächen. Lagarde relativierte diese Überlegungen und vertrat die Ansicht, dass die Bandbreite „eine ständige fortlaufende Arbeit" sei und dass sie angesichts der aufeinanderfolgenden Schocks, die die europäische Wirtschaft beeinträchtigt haben, dem neutralen Zins unter den aktuellen Bedingungen keine große Bedeutung beimesse.




