Nuno Antunes, Dozent am Iscte Executive Education und an der Iscte Business School, mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Werbebranche, warnt vor einem wachsenden Problem im Zeitalter der Generativen Künstlichen Intelligenz. Viele Menschen hören auf zu lernen, weil sie glauben, dass es ausreicht, einem Chatbot gute Fragen zu stellen, um sofortige Lösungen zu erhalten. Der Autor argumentiert, dass die Leichtigkeit, mit der wir heute an Antworten gelangen, die Illusion erzeugt, dass das Erstellen einer Antwort dasselbe ist wie Wissen – was eine der größten Herausforderungen darstellt, mit denen die Bildung konfrontiert ist.
Der Artikel zitiert den Digital Education Outlook der OECD, der darauf hinweist, dass der Einsatz von Generativer Künstlicher Intelligenz die Leistung bei einer Aufgabe verbessern kann, ohne necessarily Lernen zu erzeugen. Antunes hebt das Paradox hervor, dass mit zunehmender Intelligenz der Maschinen menschliche Intelligenz umso wichtiger wird. Nicht die Intelligenz zum Auswendiglernen, die den Maschinen verloren gegangen ist, sondern die Fähigkeit, kritisch zu denken, Urteile zu fällen, Kontexte zu interpretieren, Widersprüche zu erkennen und Entscheidungen zu treffen.
Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Rolle der Schule und der Universität sich von der Vermittlung von Antworten hin zum Lehren des Denkens, des Hinterfragens, des Verknüpfens und des Entscheidens weiterentwickeln muss. In der Führungskräfteentwicklung ist dies besonders relevant, denn eine Führungskraft braucht Wissen, Erfahrung und die Fähigkeit, mentale Modelle in Frage zu stellen. Ein Präsenzklassenzimmer bietet den Austausch von Ideen, die Diskussion konkreter Fälle und die Verpflichtung, das eigene Denken zu erklären – etwas, das schwer zu erreichen ist, wenn man nur vor einem Bildschirm sitzt.
Antunes kommt zu dem Schluss, dass Künstliche Intelligenz in den Unterricht einziehen und genutzt werden sollte, aber sie ersetzt kein Wissen. Das Werkzeug erweitert die Fähigkeit derjenigen, die bereits Wissen besitzen, es zu nutzen. Das eigentliche Problem beginnt, wenn wir nicht mehr neugierig genug sind, um zu fragen. Deshalb ist Lernen nicht das Anhäufen von Antworten, sondern das Erweitern der Fähigkeit zu denken.




