Der Artikel von Luís Ganhão befasst sich mit dem electoral Wachstum der Partei Chega in Portugal und dem Fehlen von Selbstkritik seitens der traditionellen Parteien, die das Land seit dem 25. April 1974 regiert haben. Der Autor betrachtet es als bemerkenswert, wie diese Parteien auf das Erscheinen und Wachstum des Chega reagieren, ohne dass eine ebenso anspruchsvolle Reflexion über die Gründe stattfindet, die viele Wähler dazu veranlasst haben, sich von ihnen abzuwenden.
Ganhão wirft mehrere Fragen zu den möglichen Versäumnissen dieser Parteien auf: Welche Versprechen wurden nicht eingelöst, welche Verpflichtungen aufgegeben, welche Verantwortung tragen sie für das wachsende Misstrauen der Bürger gegenüber der Politik und den Institutionen. Der Autor deutet an, dass dieses Misstrauen mit Fragen wie Löhnen, prekärer Beschäftigung, Wohnungswesen, Bildung, Gesundheit und Transparenz der öffentlichen Verwaltung zusammenhängen könnte.
Der Artikel vertritt die Ansicht, dass die Reduzierung des Wachstums des Chega auf populistische Manipulation eine zu bequeme und unzureichende Erklärung ist. Die Wähler sind nach Ansicht des Autors keine amorphe Masse und können aus Überzeugung, Protest, Enttäuschung oder weil sie in den traditionellen Parteien keine Antworten auf ihre Probleme mehr finden, wählen. Diese Beweggründe zu verstehen bedeutet nicht, den Chega zu rechtfertigen, sondern anzuerkennen, dass die Unzufriedenheit, die die Partei nährt, nicht notwendigerweise mit ihr entstanden ist.
Ganhão schließt mit der Feststellung, dass die traditionellen Parteien weniger auf den Gegner und mehr auf sich selbst schauen müssen, sich fragen müssen, warum die Wähler das Vertrauen verloren haben, und anerkennen müssen, dass ein Teil der sozialen und politischen Unzufriedenheit real ist. Eine gesunde Demokratie, so argumentiert er, verlangt von den Parteien den Mut, ihren eigenen Werdegang kritisch zu überprüfen und Fehler anzuerkennen.




