Der Sieg der AfD in Sachsen stellt die Wirksamkeit des Sperrriegels gegen die Rechtsextremen in Europa in Frage. Diese informelle Vereinbarung zwischen den anderen Parteien, die extreme Rechte zu ächten, ist seit mindestens einem Vierteljahrhundert ein Instrument gewesen, um diese Parteien von der Macht fernzuhalten, aber der ständige Anstieg der Stimmen für die extreme Rechte wirft Zweifel an ihrer langfristigen Nachhaltigkeit auf.
Der Höhepunkt dieser Strategie wurde in Frankreich bei den Präsidentschaftswahlen 2002 erreicht, als Jacques Chirac Jean-Marie Le Pen besiegte. Dieser Sieg wurde durch die klare Ablehnung der anderen Parteien gegenüber dem damaligen sogenannten Front National ermöglicht, in einem Beispiel, das zum Maßstab für ganz Europa wurde.
Seither ist der sogenannte „republikanische Block" ein ständiges Element in der französischen Politik gewesen und fungiert als institutionelle Barriere gegen den Einzug der extremen Rechten in die Regierung. Der zunehmende Erfolg von Parteien wie der AfD in Deutschland deutet jedoch darauf hin, dass dieser Mechanismus als politisches Instrument an Wirksamkeit verlieren könnte.
Die Frage, die sich stellt, ist, ob der Sperrriegel, obwohl er die extreme Rechte von Regierungsämtern fernhält, paradoxerweise deren Wahlerfolge fördert, indem er ihre Unterstützer gegen das politische „Establishment" mobilisiert.




