Das Museu de Lisboa im Palazzo Pimenta beherbergte eine Nachmittagsveranstaltung, bei der die Experten Pedro Flor, Paulo Almeida Fernandes und der Kunsthändler Philippe Mendes ein Ölgemälde analysierten, das jahrzehntelang als "Junot, der die Truppen auf dem Rossio inspiziert" bekannt war und auf etwa 1800 datiert wurde. Die temporäre Ausstellung "3 Ansichten von Lissabon", die bis zum 27. September geöffnet ist, präsentiert dieses anonyme Gemälde zusammen mit zwei weiteren Stadtansichten aus derselben Epoche und ermöglicht Vergleiche zwischen ihnen. Während der Veranstaltung wurde den Anwesenden enthüllt, dass der General Jean-Andoche Junot, obwohl das Gemälde tatsächlich den Rossio von Lissabon zeigt, nicht auf der Leinwand erscheint.
Der Artikel erklärt, dass Junot der General war, der die französische Invasion Portugals im November 1807 anführte und etwa neun Monate in Lissabon blieb. Napoleon verlieh ihm den Titel eines Herzogs von Abrantes genau dafür, Lissabon erobert zu haben – eine seltene Leistung in der Geschichte der Stadt, die seit 1147 nicht mehr eingenommen worden war. Die Veranstaltung ermöglichte auch die Identifizierung der Statue "Der Glaube, der die Ketzerei zertritt" im Tympanon des Inquisitionstribunals, ein Gebäude, das wenige Jahrzehnte später abgerissen wurde und heute dem Standort des Teatro D. Maria II entspricht.
Das Museu de Lisboa besitzt zudem ein weiteres Dokument mit demselben Titel, diesmal eine mit Tusche und Aquarellfarben ausgeführte Zeichnung von Luís António Xavier (LAX), die Junot tatsächlich zu Pferd zeigt. Dieser lisbonitische Künstler, Enkel eines Chinesen aus Macau namens Alexandre Geraldes, bezeugte und zeichnete mehrere Momente der französischen Invasion auf – von dem Einmarsch der Truppen in Arroios bis zur Abreise Junots aus Lissabon im September 1808. LAX schuf somit eine wertvolle grafische Reportage über die Besetzung, einschließlich der Abreise der portugiesischen Königsfamilie nach Brasilien im November 1807, Stunden bevor Junot in der Stadt ankam.
Im Jahr 1947 wurde das anonyme Gemälde während der Feierlichkeiten zum 800. Jahrestag der Eroberung Lissabons von den Mauren erstmals im Museu de Arte Antica in den Janelas Verdes der Öffentlichkeit präsentiert und von Mário Novais für den Ausstellungskatalog fotografiert. Das Werk blieb fast anderthalb Jahrhunderte lang der Öffentlichkeit verborgen, nur private Besitzer hatten Zugang dazu. Der Artikel bemerkt, dass das Gemälde trotz des scheinbaren Fehlens eines Protagonisten eine Fülle historischer Details bietet, die es ermöglichen, das Lissabon von 1800 und die Transformationen zu verstehen, die die Stadt im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat.




