Paulo Freitas do Amaral, Professor, Historiker und Autor, schreibt eine nostalgische Chronik über die Familienpfiffe, die vor einigen Jahrzehnten verwendet wurden, um Kinder nach Hause zu rufen. Der Autor erinnert sich an seine Kindheit in Cruz Quebrada, Oeiras, als seine Eltern einen eigenen Pfiff hatten, den er sofort erkannte, selbst inmitten anderer Geräusche und Spiele. Alle Kinder in der Straße hatten ihren eigenen Pfiff, und es gab eine bestimmte Zeit für die Rufe – um acht Uhr abends, wenn man begann, die Pfiffe zu hören, um die Kinder zum Abendessen zu rufen.
Der Autor beschreibt ein anderes Lissabon, in dem Kinder auf der Straße spielten, alleine zur Schule gingen, stundenlang außer Haus waren und eine Freiheit hatten, die heute nahezu unvorstellbar erscheint. Es gab auch ein Vertrauen, das zum Alltagsleben gehörte, ohne die Notwendigkeit, den genauen Aufenthaltsort der Kinder jeden Moment zu kennen.
Freitas do Amaral erzählt, dass er viele Jahre später dieses alte Brauchtum immer noch verwendet, wenn er seine Mutter in einem Supermarkt verliert. Sie macht denselben Pfiff und er findet sie sofort, als ob die Zeit und die modernen Kommunikationsmittel für einige Sekunden verschwunden wären. Der Familienpfiff geriet mit der Ankunft von Telefonen, Handys, Nachrichten und Ortungs-Apps außer Gebrauch.
Die Chronik endet mit einem Aufruf: Der Autor ermutigt die Leser, ihren Kindern den Familienpfiff beizubringen, damit sie eines Tages mitten in einer Menschenmenge jemanden, den sie lieben, sofort erkennen können – so wie er seine Eltern erkannte, als ein Pfiff genügte, um zum Abendessen zu rufen.




