Jährliche Untersuchungen, Panels mit Dutzenden von Markern und Bildgebungsverfahren, die auch ohne Symptome durchgeführt werden, vermitteln den Patienten oft ein Gefühl der Sicherheit. Die Idee, jede Veränderung zu suchen, bevor sie sich zu einem Problem entwickelt, erscheint auf den ersten Blick logisch.
In der Medizin bedeutet jedoch mehr nicht automatisch eine bessere Prävention. Die Prävention hängt von Faktoren wie Alter, Familienanamnese, Lebensgewohnheiten, Gesundheitszustand und spezifischer Risikoexposition ab. Ohne diesen Kontext kann eine Untersuchung Veränderungen ohne klinische Bedeutung identifizieren, falsch-positive Ergebnisse produzieren und den Weg für neue Untersuchungen ebnen, die möglicherweise gar nicht notwendig gewesen wären.
Roberto Rangel, Facharzt für Familien- und Gemeinschaftsmedizin, Professor und öffentlicher Verwaltungsbeamter, erklärt, dass die präventive Medizin nicht als festgelegte Liste von Untersuchungen verstanden werden sollte. Seiner Meinung nach liegt die Logik der Prävention nicht darin, bei allen Menschen alles zu suchen, sondern vielmehr darin, zu identifizieren, was in jeder Lebensphase und entsprechend dem individuellen Risiko jedes Patienten bewertet werden muss.




