Die Autorin Fátima Murta schildert ein Ereignis, das sie 1966 in Portugal erlebte, als sie erst acht Jahre alt war. Es handelte sich um einen Mann in den Sechzigern, einen Träger in einem Unternehmen, der im Haus von Dona Natália schlief und aß. Tagelang hintereinander gewann dieser Mann das Vertrauen des Kindes, indem er ihr Geschichten von seinen Reisen um die Welt erzählte und sich als Freund von dem Mädchen Vater ausgab.
Der Mann führte nach und nach sexuelle Themen ein, bis er versuchte, das Kind zu vergewaltigen. Das Mädchen konnte fliehen und erstattete bei ihrer Mutter Anzeige. Der Mann wurde verhaftet und in die Kette gebracht, wo er verprügelt wurde. Die Mutter zwang sie, als Bestrafung ins Bett zu gehen, und bagatellisierte das Geschehene.
Der Fall kam vor Gericht, aber der Richter konnte kein Urteil fällen, da die Tat nicht vollendet worden war. Es war nur das Wort eines Kindes gegen das eines Erwachsenen, in einer Zeit, in der nichts in Frage gestellt wurde. Die Autorin reflektiert, dass die Polizei sie hätte an einem vereinbarten Ort mit dem Mann zusammenkommen lassen sollen, mit Patrouillen, die ihr in sicherem Abstand folgten, damit er auf frischer Tat ertappt worden wäre. Eine Berührung, ein Finger, hätte genügt, um die Tat zu beweisen.
Die Autorin beschreibt, wie das Trauma sie zutiefst gezeichnet hat und sie jahrelang daran hinderte, irgendjemanden zu beschuldigen oder anzuzeigen. Sie traf ihn im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren erneut, konnte aber nicht mit dem Finger auf ihn zeigen. Als Erwachsene erinnert sie sich an einen Satz, den sie 1968 auf den Mauern der Sorbonne las: „Wenn der Finger auf den Kampf zeigt, schaut der Idiot auf den Finger."




