Der Tod des Radfahrers Cláudio Rafael Landeiro, der am 11. August in Copacabana zusammengeschlagen wurde, nachdem er fälschlicherweise des Fahrraddiebstahls beschuldigt worden war, hat die Debatte über den „Justizmord" erneut entfacht – die Praxis, Strafen außerhalb der offiziellen Gesetze zu verhängen. Während Lynching auf den Straßen sporadisch vorkommt, ist diese Art von Gewalt in den von Drogenhandel und Milizen kontrollierten Gemeinden eine etablierte Routine.
In den von kriminellen Organisationen kontrollierten Gebieten in Rio de Janeiro setzen diese Gruppen ihre eigenen Verhaltenscodices durch und fungieren als parallele Gerichte. Sie richten Bewohner, sprechen Urteile aus und verhängen Strafen, die von Erniedrigung und körperlicher Gewalt bis zum Tod reichen.
Die Expertin für Sicherheit und Verteidigung Júlia Quirino weist auf eine Ähnlichkeit zwischen dem Fall Cláudio Rafael und dem, was in den Favelas geschieht, hin: die Schnelligkeit, mit der Menschen sich ermächtigt fühlen, eigenmächtig zu richten, ohne Recht auf Verteidigung oder Widerspruchsrecht, was eine Kultur sofortiger Bestrafung offenbart, die über die armen Viertel hinausgeht.




