Der Vers von Antonio Machado «caminante, no hay camino, se hace camino al andar» ist so populär geworden, dass er auf Tassen, Nachthemden, Postern und Tattoos aufgedruckt erscheint. Diese Allgegenwart hat den Satz zu einem Gemeinplatz der Selbsthilfe gemacht und ihn von seiner ursprünglichen Bedeutung entfernt.
Jedoch schrieb Machado diese Verse 1912 in einem Kontext tief persönlicher Tragödie. Der spanische Dichter erlitt zu dieser Zeit den verheerendsten Schlag seines Lebens: den Tod seiner Frau Leonor, die erst 24 Jahre alt war, nach nur drei Jahren Ehe.
Wenn man diesen Umstand kennt, gewinnt der Vers eine dramatische Tiefe, die stark mit seiner heutigen Verwendung als bloßer Motivationssatz kontrastiert. Der Weg, der beim Gehen entsteht, ist nicht mehr eine Metapher über persönliche Entschlossenheit, sondern enthüllt sich als eine viel düsterere Reflexion über Schmerz und Verlust.




